Wiedergeburt aus Wasser und Geist

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In der christlichen Theologie beschreibt „Wiedergeburt“ keinen Reinkarnationszyklus, sondern eine durch Gott gewirkte geistliche Erneuerung des Menschen. Während alle Konfessionen das biblische Fundament in Johannes 3,3–5 sehen („Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde...“), weichen die Vorstellungen über den Zeitpunkt und die Vermittlung dieses Ereignisses voneinander ab.

Das biblische Fundament

Die Bibel definiert Wiedergeburt als Voraussetzung für das Reich Gottes. Zentrale Argumente sind:

Johannes 3,5: Die Notwendigkeit, aus „Wasser und Geist“ geboren zu werden. Titus 3,5: Das „Bad der Wiedergeburt“ als Ausdruck der göttlichen Barmherzigkeit. 1. Petrus 1,3: Die Wiedergeburt zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi.

Die konfessionellen Unterschiede im Überblick

Römisch-Katholisch / Lutherisch A) Verständnis der Wiedergeburt Befreiung von der Erbsünde und Aufnahme in die Kindschaft Gottes. B) Zeitpunkt / Vermittlung Primär durch das Sakrament der Säuglingstaufe (das „Bad der Wiedergeburt“).

A) Evangelikal / Freikirchlich Verständnis der Wiedergeburt: Bewusste geistliche Erneuerung und persönliche Entscheidung für Jesus.

Zeitpunkt / Vermittlung: Ein punktueller Bekehrungsmoment; die Taufe folgt oft erst danach als Bekenntnis.

B) Orthodox Verständnis der Wiedergeburt: Mystische Neuschöpfung und Beginn der Vergöttlichung (Theosis).

Zeitpunkt / Vermittlung: Eine untrennbare Einheit aus zweifacher Taufe (Wasser) und Myronsalbung (Geist).

C) Katholisch-Apostolisch (KAG) Verständnis der Wiedergeburt: Zweiteiliges Geschehen zur Ausrüstung der Gläubigen für die Endzeit. Zeitpunkt / Vermittlung: Wassertaufe (Wasser) ergänzt durch apostolische Handauflegung (Geist) durch Apostel.

D) Neuapostolisch (NAK) Verständnis der Wiedergeburt: Notwendiges Heilsereignis zur Erlangung der „Erstlingsschaft“. Zeitpunkt / Vermittlung: Heilige Wassertaufe kombiniert mit der Heiligen Versiegelung durch einen lebenden Apostel.

Kernpunkte der speziellen Gruppierungen=

Orthodoxie: Hier wird die Wiedergeburt als organischer Prozess im „Schoß der Kirche“ gesehen. Die Geist-Wiedergeburt (Myronsalbung) geschieht unmittelbar nach der Wasser-Wiedergeburt (Taufe), wodurch der Mensch das „Siegel der Gabe des Heiligen Geistes“ empfängt.

Apostolische Gemeinschaften (KAG & NAK): Beide betonen die Exklusivität des Apostelamtes. Während die KAG die geistige Wiedergeburt (Versiegelung) seit dem Tod ihrer letzten Apostel (1901) historisch als „ruhend“ betrachtet, lehrt die NAK, dass dieses Sakrament heute weiterhin durch aktive Apostel gespendet werden muss, um die volle Wiedergeburt zu erlangen.

Protestantismus vs. Sakramentalismus: Während freikirchliche Gruppen die Wiedergeburt als inneres, psychologisch erfahrbares Ereignis (Glaube) betonen, verstehen die anderen genannten Kirchen sie als objektives, sakramentales Handeln Gottes an dem Menschen.

Fazit

Obwohl die Bibel die Wiedergeburt als einheitliches Ziel beschreibt, liegt der konfessionelle Konflikt in der Frage, wie der Geist Gottes wirkt: unmittelbar durch den Glauben (Freikirchen), mittelbar durch das Sakrament der Taufe (Großkirchen) oder spezifisch durch das Amt des Apostels (KAG/NAK).